Bis Villa Joiosa waren es viele Tagesetappen in Küstennähe. Jetzt galt es aber 76sm über das offene Meer nach Formentera zu segeln.
Bei gutem Wind und wenn es gut läuft, brauchen wir dafür ca. 15 Stunden. Das ergibt dann schon während der Tage vor der Abfahrt Adrenalinschübe. Gleichzeitig hat so ein sicherer Hafen eine Haltekraft wie ein Supermagnet. Man könnte hier doch noch so gut auf sicherem Terrain Bummeln, ab und zu einem Cappucino trinken. Und morgens ausschlafen!
Das Wetter zwingt uns aber seine Regeln auf. Nur am Sonntag war guter Wind aus West angesagt. Mit einer Welle von 1.4m und in Böen bis 22kn allerdings etwas ausserhalb unserer Komfortzone (gemessen haben wir dann sogar deutlich mehr).
Günstigerweise sollte der Wind dann bis zur Ankunft auf Formentera auf Südwest drehen, so dass wir auf der Westseite in der Bucht in der Mitte einigermaßen Ankern könnten.
Ab Montag sollte es dann mehrere Tage nur schwachen Wind geben und Donnerstag / Freitag viel Wind und Regen. Also super gut um bis Mittwoch vor Formentera zu Ankern und die teuren Häfen möglichst zu meiden.
So ging es am Sonntag morgen um 02:30 Uhr aus dem Bett und 03:15 Uhr in die dunkle Nacht. Alles andere als Lotterleben!
Kurz nach Verlassen des Hafens setzen wir das Großsegel und dabei passierte es wieder: Es klemmte!! So ein Mist!!! Bei der Dunkelheit konnten wir das Problem nicht lösen und haben das Segel an den Mast gebunden, damit es nicht schlägt und noch mehr verklemmt.
Nur mit Genua waren wir nicht ganz so schnell wie erhofft und mit den gescheiterten Versuchen das Großsegelproblem zu lösen haben wir mindestens 30 Minuten und einige Seemeilen verloren. 30 Minuten kostbarster Schlaf für die Katz.
Na ja, umdrehen wollten wir auch nicht, denn wir hatten ja soeben den Magnetismus überwunden und das mit dem Adrenalin war jetzt nicht mehr zu ändern. Stattdessen wollten wir so weit wie möglich segeln und bei Tageslicht nochmal versuchen das Groß zu setzen.
So segelten wir nördlich an der Insel Benidorm vorbei und wunderten uns über das merkwürdige Licht Licht an der südlichen Spitze der Insel: ein gelbes Dreieck, so als ob ein Haus angestrahlt würde. Es war definitiv kein Seezeichen, sondern der Halbmondaufgang! Auch nicht schlecht - Mondaufgang auf See ist eher selten, wenn man versucht nur tagsüber zu segeln.
Im Morgengrauen haben wir nach einigen Hin&Her das Groß frei bekommen und konnten nun richtig Speed machen.
wir hatten sogar mal 7.5kn - wenn es die Welle runterging. Daraufhin haben wir gerefft, um das Material und unsere Nerven zu schonen.
Das Festland achteraus
Der Sonne entgegen.
Der Morgen war nicht so unser Ding
Aber alle Probleme sind gelöst und wir konnten etwas Schlaf nachholen.
Bleibt noch die fiese Welle von Achtern (aus West), die sich mit einer zweiten Welle von Nordost traf und schöne hohe Wellenspitzen erzeugt, die dem Autopiloten alles abverlangt. Uns wurde dabei jedenfalls übel.
Irgendwann ließ der Wind etwas nach und wir konnten die Ursache für das Großsegelproblem untersuchen. Zu meiner Schande bin ich dafür wohl verantwortlich: Das untere Gurtband am Segelhals war verdreht auf den Haken geschoben. Dadurch wurde das Segel unten etwas dicker beim Aufrollen und ergab Falten. Diese Falten wanderten beim Rollen nach oben, bis alles in der Nut klemmte. Blöd!
Dank der letztendlich guten Geschwindigkeit konnten wir um 17:30 bereits den Anker fallen lassen. Wir haben nur 12 1/2 Stunden gebraucht! Geschafft, oder???
Nein, noch nicht ganz:
Ich hatte schon erwartet, dass es in der nach Nordwest offenen Bucht etwas unruhig würde, aber es war viel, sehr viel schlimmer. Wir wurden richtig durchgeschüttelt, waren aber zu schwach und erschöpft, um die Bucht zu wechseln. Außerdem sagte Windy, dass es dort auch hohe Wellen gibt.
Also krochen wir um 19:30 in die Kojen und versuchten irgendwie zu schlafen. Ich blieb in der Achterkajüte, da ich ja auch auf den Ankeralarm reagieren musste und Susanne verzog sich in die Bugkabine. Dort konnte sie tatsächlich etwas schlafen.
Erst am frühen Morgen beruhigten sich die Wellen und es gab auch etwas Schlaf für mich. Das war alles sehr anstrengend.
ABER ES HAT SICH GELOHNT!
Dank Vorsaison und suboptimalen Ankerbedingungen waren wir das einzige Boot in der wunderschönen Cala Saona, die im Sommer brechend voll mit Ankerliegern ist - traumhaft!
Die Bilder sprechen für sich:
Klar zum Landgang!
Die Nacht, alles vergessen.
Ach ja, das Großsegel haben wir gleich vor Anker korrigiert. So’n Mist braucht kein Mensch. Mitten in der Nacht. Mitten auf dem Meer. Genau dann wenn es darauf ankommt!
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KK